Die falsche Frage
Nach einem Wochenende mit einem kleinen Gespräch über Glauben und Nicht-Glauben, komme ich wieder auf einen Gedanken – der mich einfach nicht verlässt.
Bei den Diskussionen (so unglücklich wie dieses Wort ist, denn es sind keine) zwischen Theisten und Atheisten geht es meistens um die Frage „Gibt es (einen) Gott?“.
Dann geht ein Feuerwerk von Argumenten, Appellen an Vernunft, Beweisen usw. von Seiten der Atheisten los. Meistens reagieren die Theisten dann mit Entsetzen, Verstocktheit, Schimpfen (Fluchen dürfen sie nicht), kurz heftigen emotionalen Reaktionen - als wolle man ihnen etwas lebenswichtiges wegnehmen.
Ich schließe aus meiner Erfahrung, dass dies genau der Fall ist.
Am berühmt berüchtigten Vergleich des Glaubens mit einer Droge ist etwas dran.
Glauben braucht (blindes) Vertrauen. Dieses Vertrauen ist wie eine Hängematte, ein Sicherheitsnetz, eine Sicherungsleine – man wird aufgefangen. Man kann sich jederzeit in dieses Netz fallen lassen. Es ist da, es gibt Sicherheit. Es vertreibt die Einsamkeit in dunklen Momenten. (… so ich auch wanderte im finsteren Tale…). Die einzigsten „Dinge“ auf Erden mit ähnlichen Wirkungen sind Drogen.
Leider bieten die Atheisten kein ordentliches Substitut für diese Substanz „Glauben“, besonders wenn Sie wissenschaftliche Argumente anbringen.
Denn gerade „Wissenschaft“ ist das Gegenteil von „Glauben“. Wissenschaft verlangt Misstrauen und Zweifel. „Falsifikation“ - das ständige infrage stellen aller Lehren, Thesen, Theorien. Erkenntnis (im Sinne der Wissenschaft) verlangt Einsamkeit (… to go where no one has gone before …).
Kein Wunder also, wenn gläubige Menschen so gereizt reagieren und Vernunft nur wenig nützt.
Ich denke die Frage, die man stellen sollte ist „Wozu braucht man einen Gott?“.
Eine Diskussion um diese Frage wäre glaube ich interessanter, als das Gehacke um Existenz oder Nichtexistenz einer göttlichen Entität.
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